Wie es in den Wald hineinschallt… #6

 

Als vor circa 67 Jahren die beiden folgenden Herren, der eine im Kindergarten, der andere beim Pen&Paper – Rollenspiel, das erste Mal mit dem Thema „Theater“ in Berührung kamen, hätte es nicht einmal Rafiki beim Orakel von Delphi mithilfe von Professor Trelawney voraussehen können, dass die beiden nun gemeinsam die Bühne mit ihrem Schweiß und ihrem ambivalent jugendlichen und erfahrenen Charme ehren würden. Jedoch stehen die Planeten in einer Reihe, die No Angels kündigen ihr Comeback an und Bigfoot wurde auf einer guten Kamera aufgenommen. Die Zeit ist also gekommen: Törless Mackensen und Pierre Stoltenfeldt betreten zum ersten Mal gemeinsam in einem Stakkato von Applaus und Schnappatmung die tollMut’schen Bretter, die die Welt bedeuten.

Dabei spielen sie dann die beiden Handwerker Flaut (Törless) und Zettel (Pierre) und verzerren dabei die Normen der Gesellschaft so sehr, dass wir nicht mehr wissen, wo oben und unten ist. Bei der selbsternannten Chaostruppe der Handwerker ist das nicht weiter verwunderlich, vor allem weil die anfänglichen Proben tatsächlich auf improvisierter Basis stattfanden. Dass dabei textliche Wunderwerke völlig neuen Ausmaßes herauskommen, ist spätestens in Anbetracht dieser beiden tollMut-Veteranen im Erwartungshorizont gewesen. Denn für beide ist es bei weitem nicht das erste Stück: Nach kurzem Gehader sind beide, zu unterschiedlichen Zeiten, zu ihrem ersten Casting gegangen und haben seitdem etliche Stücke aufgeführt. Törless freut sich nun vor allem, mit Urgesteinen wie Pierre und Valerie und gleichzeitig mit frischem Wind wie Nika und Margo spielen zu können (siehe früherer Blogeintrag). Pierre, ganz der Pädagoge, hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, anhand seiner Rolle vielleicht noch etwas über sich selber rauszufinden (uiuiui, der Streber). Für jemanden, der mit 17 bei der Kripo saß, weil er sich bei einer Telefonsexhotline als Frau ausgegeben hatte, klingt das ganz schön hochgestochen. Gleichzeitig darf man aber seinen inszenatorischen Impetus, den er seit der Schule durch (halbwegs) selbst geschriebene Stücke ausdrückt, nicht außer Acht lassen. Aufbrausende Wasser können auch tief sein. Vor allem, wenn (Achtung: Wortwitz!) Pierre zu tief ins Weinglas geguckt hat und sich im Nu zu Dr. Stoltenfeldt, ihr freundlicher Therapeut in der Nachbarschaft, transformiert hat. Da kriegt man eine Diagnose, ob man will oder nicht. Von abgefahrenen Sexträumen und Entführungen zu Mario-Kart-Pisten (auch im Traum) wollen wir hier gar nicht anfangen. So tief wollen wir auch bitte nicht in die Psyche der beiden schauen, wer weiß, was da zurückguckt und obszön zwinkert.

Das Wichtigste nun zum Schluss: Im Zuge eines dieser sich alle vier Jahre wiederholenden Sportturniere, bei denen sich plötzlich 90% der Bevölkerung eines jedes Mitgliedlandes nicht nur zum garantiert allerersten Fan sondern auch zum fundiertesten Experten selbst deklarieren, stand Törless im Jahre 2006 vor einem mexikanischen (Argh) Fernsehteam und hat auf „betrunkenen“ Spanisch ein Interview gegeben. Sollte also jemand von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die gesamte Videothek des mexikanischen Fernsehens der letzten 12 Jahre besitzen, wären wir Ihnen zu unendlichem Dank und so vielen feuchten Händedrücken, wie Sie es sich in Ihren kühnsten Träumen nie erhofft haben, verpflichtet, wenn Sie uns das betreffende Material überhändigen könnten.

Wir warten und hoffen.


01.07.2018 by Jan A. Mohr

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