Wie es in den Wald  hineinschallt #5

 

Namarie! Ja, gut, das war jetzt versehentlich die Elfensprache aus „Der Herr der Ringe“, und die ganzen Galadriels und Elronds sind mit Shakespeares Oberon und Titania weder verwandt noch verschwägert. Aber wer weiß schon, wann die Gelegenheit noch einmal günstig ist, einen Blogbeitrag so einzuleiten? So viele Stücke drehen sich jetzt auch nicht um die Langohren aus dem Zauberwald und wir Nerds wissen unsere Chancen zu nutzen, verehrte Leserinnen und Leser. Nur auf Tinder nicht, da sind wir verloren! Blöd nur, dass ich mir jetzt eine gescheite Überleitung zum eigentlichen Thema aus den Fingern saugen muss. Ah, da kommt er ja schon geschossen, der Geistesblitz: Während in den Eskapismus-Wälzern des alten J. R. R. Tolkien (das zweite R. steht für Reuel, kein Witz!) im Laufe der Äonen diverse Ringe ihre Besitzer wechseln wie der Bachelor die Betten, werden im #reallife ja heutzutage eher selten die Ringe getauscht. Heiraten ist out aber Scheidungen hip, und die Soziologen behaupten, dafür seien einzig und allein falsche Erwartungen an die Liebe verantwortlich, die in der Realität gar nicht erfüllt werden könnten. Nicht auf jeden Topf passe nämlich einen Deckel, ewige Liebe sei Mumpitz und auf ihren Prinzen in goldscheinender Rüstung könne Dornröschen da oben lange warten. Was, fragen wir uns da hochrot vor Empörung, erzählen die uns als nächstes? Dass Vampire gar nicht im Sonnenlicht glitzern? Jedenfalls schieben diese Soziologen unter anderem Herrn Shakespeare die Schuld für die falschen Erwartungen in die Schuhe, weil der sich den unrealistischen Romantik-Kram nämlich ausgedacht habe. Da können wir ja von Glück reden, dass wir im Apollo Theater keine Soziologie-Vorlesung darbieten und im Theater Romantik erlaubt ist, denn sonst müssten wir euch unsere Liebenden vorenthalten. Zwei der vier habt ihr ja schon lesend kennen gelernt, heute stellen wir euch mit Melissa und Valentin zwei weitere Turteltäubchen (oder, wie Pepa Ulrich sagen würde: Turtletäubchen) vor und machen das Quartett komplett.

Kinder, was haben wir in der Blogredaktion (Euphemismus. Eigentlich ist es bloß ein Whatsapp-Gruppenchat) geschwitzt, als Herr Andrés Garcia Diaz verlauten ließ, für den “Sommernachtstraum” nicht zur Verfügung zu stehen. “Wen sollen wir denn jetzt auf seinen Körper reduzieren?” wehwehte es da, und “Nun gehen uns ja 90 Prozent unserer Schreibanlässe flöten!”. Zum Glück ging dem Himmel unser Gejammer bald ausreichend auf den Keks, und so schickte er uns Valentin Rocke beim letzten Rollenentwicklungs-Workshop vorbei. Valentin Rocke – Lasst euch den Namen auf der Zunge zergehen. Klingt nicht nur wie eine Produktreihe aus dem Hause Durex, kommt auch mit einem Gesicht daher, das diese Produkte selbst den Anonymen Abstinenzlern verkaufen könnte. Im Zehnerpack. Zu unser aller Freude sah auch Regisseur Dave das Potenzial beim Casting und belohnte die Mühen des jungen Recken mit der Rolle des Lysanders. Bestimmt auch, weil man so die Reihen im Apollo mit kreischenden Teenie-Gören füllen kann. Wer den Lebendbeweis für den Grund unserer Schwämerei nicht abwarten kann, darf sich hier schon einmal unseren Hardcore-Teaser Numero Uno mit Valentin in der Hauptrolle gönnen:

So, nun aber flux zurück zu den Fakten, wir haben hier ja schließlich einen Bildungsauftrag! Valentin ist nämlich nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit Talent gesegnet. Das erkannte man auch am Jungen Theater Bonn, wo er bereits mit neun Lenzen Bühnenluft schnupperte und dort bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr Glückseligkeit unter dem Bonner Publikum verteilte. Dass er sich damit schon recht früh den Traum von der großen Bühne erfüllt hat, erklärt wahrscheinlich, dass er nachts eher von einer Welt träumt, die ausschließlich aus Wasserrutschen besteht. Und von Hundebabies – awwww! Wer jetzt allerdings schon die Frau Mama an der Strippe hat, um sie zu informieren, man habe endlich den perfekten Schwiegersohn für sie gefunden, sei gewarnt: Ganz so vollkommen ist der Kerl dann auch wieder nicht. Wenn Lautstärkeanzeigen, z.B. am Fernseher, nämlich nicht durch 5 teilbar ist, rastet er richtig aus!


Zur Wahrung des Friedens steht dem Divisionsfetischisten auf der Bühne mit Melissa Geißler eine Hermia zur Seite, die sich selbst als “ein kleines bisschen zickig” beschreibt und sich darum sicher effizient zur Wehr setzen kann, wenn ihr Lysander mal explodieren sollte, weil die Lautsprecher im Apollo auf 23 eingestellt sind. Wobei sie da wahrscheinlich Nachsicht walten ließe, ist sie schließlich selbst nicht vor Fehlbarkeiten gefeit: Als größte Macke beschreibt die tollMut-Debütantin, sich selbst ständig lautstark mit der Zunge am Gaumen kratzen zu müssen, sodass sie sich anhört wie ein Ferkel. Grunzgütiger, da haben wir aber alle Schwein gehabt,  dass Zungen auch 2018 noch nicht mit Lautstärkepegler geliefert werden! Wir dürfen gespannt sein, ob es am Mittwoch dann auch im Apollo von der Bühne grunzt, weil’s am Gaumen zwickt und juckt. Oder ob sie während der Vorstellung einfach umfällt und einschläft, denn das könnte ihr, sagt sie, immer und überall passieren. Betet mit uns, dass ihre langjährige Bühnenerfahrung sie davon abhält, oder bringt ihr gleich eine Cola mit, nehmen wir gern am Hintereingang entgegen. Und wenn doch alle Stricke reißen und Koffein zum Trotze die Lider schwer werden, können wir Melissas Schläfchen immer noch als Kalkül verkaufen. Passt ja schließlich zum Titel.


29.06.2018 by Pierre Stoltenfeldt

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