Tuuut tuuut


„Tut Tut!“ macht der Probenzug, der sich mit atemberaubender Geschwindigkeit der Premiere vom sommernächtlichen Traum im Apollo (Karten gibt es online zu kaufen) nähert. Nur noch knappe zwei Monate sind’s und deshalb musste nun auch ein ganz eigener Workshop zur Rollenentwicklung nach Tschechow her. Nur für das Ensemble. Da war es dann ganz privat unter sich. Zu siebzehnt (in Zahlen: 17). Richtig zusammengeschweißt hat das alle und das nicht nur wegen der Temperaturen, die sich entwickeln, wenn so ein Sauhaufen über Stunden in einem Raum tanzt, singt, spielt und aufgeregt mit den Armen fuchtelt.  Denn trotz oder gerade wegen gewisser Körperflüssigkeiten kennt man einander, aber vor allem auch die eigene Rolle besser. Das liegt vor allem an der Psychologischen Geste, kurz „PG“, die die Darsteller bei einem Tschechow-Workshop entwickeln. Diese macht es einem einfacher, sich in die Rolle hineinzuversetzen und ihr den eigenen Körper zu überlassen.

Die Darsteller gönnen sich in einer Pause belegte Semmeln und Kartoffelschnitten vom Hühnermann

 

Dass das Ergebnis am Ende nicht so würdevoll ist wie erhofft, ob bei der Rolle oder bei näherer Betrachtung des Mitspielers, scheint hier traditionellen Ursprungs zu sein. Gelegentlich kann es dann passieren, dass man eine komische Sprechweise oder einen Gehfehler entwickelt – daran ist ja auch nichts schlimm. Denn nachdem man sich das Gesicht mit Geschenkband abgeschnürt und mit Fingerfarbe verunstaltet hat – um mal so ganz weit weg vom wirklichen Ich zu kommen – und noch mit etwas Geschrei ein paar Emotionen ausgepackt hat, ist nicht mehr viel Platz für Würde und solchen Larifari. Dann schaut man sich mit anderen Augen an und zwar in den extra von Dave aufgestellten Spiegeln, dank derer man das eigene Elend noch mal genauer betrachten konnte. Von Vorteil ist an einem solchen Punkt natürlich, wenn jeder andere im Raum das gleiche Prozedere durchgestanden hat. Geteiltes Leid ist nun mal ein siebzehntel Leid und darüber lacht man dann schon wieder und verprügelt sich mit Handtüchern. Das hat nichts mehr mit Theater, das hat etwas mit Täterpersönlichkeiten zu tun. Bei tollMut treffen eben ganz viele Charaktere aufeinander und ein wahnwitziges Tohuwabohu entsteht, das man sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellt. Auch nicht im Sommer. Bis zu diesem muss ja aber wie gesagt alles fertig und präsentabel sein, deswegen heißt es jetzt nicht träumen, sondern: Proben, Proben und, aha!, Proben.
Schlafen kann man, wenn man tot ist, nicht wahr?


07.05.2018 by Jan Andrea Demetrius Mohr

 

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