Dinge vom Boden aufheben

Ja, okay. Das hat jetzt echt ein bisschen zu lang gedauert, bis hier mal wieder was passierte im Blog.
Gibt’s auch keine Entschuldigung für, außer vielleicht, das wirklich viel los gewesen ist, über das man totlustige Blogbeiträge hätte schreiben können. Wenn nicht so viel los gewesen wäre. Gut, Schwamm drüber, machen wir jetzt halt einen kleinen Nachlese-Marathon. Ist ja auch schön, den tränenschwangeren Blick mit Wehmut in die Vergangenheit zu richten, früher war ja sowieso alles besser und der Deutsche ist gerne Nostalgiker, das wissen wir spätestens seit den Ergebnissen (?) der Bundestagswahl.
Geschichte, gutes Stichwort! Ende Oktober fand unser Workshop zum Thema „Geschichten improvisieren“ statt, angeleitet von David „Dave“ Penndorf und Tim „Tim“ Lechthaler, der letzten Bastion philanthropischer Zweisamkeit seit der Trennung von Brangelina. Die beiden Vollblutwedding- und Workshopplanner verheirateten dort ihre jeweiligen Steckenpferde, nämlich Dramaturgie und Improvisationstheater, miteinander. Ziel sollte sein, aus dem Stegreif Geschichten zu spielen, die vierjährige Kinder begeistern könnten. Mutig!
Herausgekommen ist – wen wundert’s, bei so viel Horsepower – ein wilder Ritt durch kopf- und gliederschmerzenverursachende Übungen, bei dem unterwegs viele Hürden genommen werden mussten. Improvisationstheater ist nämlich, und das glaubt mir jetzt bestimmt wieder keiner, erst dann eine fruchtbare Nummer, wenn die Spieler den dazugehörigen Regelkatalog (200 Seiten, Schriftgröße 4) nicht nur gelesen, sondern verinnerlicht haben, und das ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!

Unsere Bühne im frei.raum

„Nicht blockieren!“, „Versuch nicht, lustig zu sein!“, „Sei offensichtlich!“ tönte es da mahnend von Seiten der Leitung nicht bloß einmal, während die schwitzenden Akteure auf der Bühne noch versuchten, sich gleichzeitig an den frisch eingebläuten Aufbau einer gelungenen Geschichte zu halten. Zum Glück gehört „Scheitere mit Freude!“ auch zum Regelkatalog des Improvisationstheaters, deshalb konnte über Niederlagen (außer beim Ein-Wort-Spiel) meist herzlich gelacht werden. Übrigens auch über den ein oder anderen Ehestreit, mit dem das Workshopleiter-Zweigespann die Teilnehmer hier und da erquickte wie das skandalöse Liebesleben der Royals die Abonnenten der „Bunte“: Die hitzige Diskussion darüber, ob man vor einer Improvisation nun von 5 oder von 3 runterzuzählen habe, wird gewiss unvergessen bleiben – besser als RTL 2 am Nachmittag!
Ebenfalls im Gedächtnis und vor allem im Herzen bleiben aber doch vor allem die wunderschönen Geschichten, die das (am Ende in trauter Zweisamkeit versöhnte) Duo uns TeilnehmerInnen hat erzählen lassen. Ob es nun die beiden kämpferischen Krabben waren, der psychotische Youtuber („JOTOPP!“) oder der flügellahme Held der Kolibris – Tim und Dave ist es mit viel Mut, Elan und Frustrationstoleranz gelungen, uns Figuren erfinden und ihre Geschichten improvisieren zu lassen, die vielleicht nicht alle etwas für Vierjährige waren, an die wir uns alle aber auch in vier Jahren noch gerne erinnern werden. Genau wie an die Losung des Wochenendes: Kleine Zange, keine Bange!


16.12.2017 by Pierre Stoltenfeldt сапоги зима 2017

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.