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Drama Queen

Insiderinformanten plaudern aus: Bei tollMut ist man stetig bemüht, neben den Inszenierungsergebnissen auch die Arbeitsabläufe weiter zu professionalisieren. Na gut, zugegeben, na gut: Wir räumen schuldbewusst ein, dass ein jeder treuer Leser unseres Blogs – vernebelt von den Eindrücken unseres schlampig recherchierten Clickbaits – auf die falsche Fährte geführt worden sein könnte, wir würden uns bei tollMut vielmehr an RTL 2 als an Arte abarbeiten. “Am nächsten Riff halb links, Odysseus, und im Strudel bei der dritten Ausfahrt raus!”, wollen wir diesen irregeleiteten Seelen jedoch orientierungsstiftend zurufen, und heute hier den Lebendbeweis der tollMut’schen Professionalisierungsbestrebungen vorstellen: Mona Bratrich.

Haltet den Atem an, Unken, denn wir haben uns für unsere Produktion von “Ein Sommernachtstraum” mit Mona eine waschechte Dramaturgin geleistet! “Kriegt ihr das mit dem Drama mit eurer Stammbesetzung nicht auch ohne zusätzliche Hilfe schon seit Jahren ganz gut hin?”, höre ich es da lästern? Einspruch, euer Ehren! Stattgegeben. So ein Dramaturg, oder eben eine Dramaturgin, hat nämlich gar nichts mit interpersonalen Hiebes- und Liebesgeschichten zu tun (diesbezüglich sind wir nicht weiter zu professionalisieren, glaubt mir, aber solche Geschichten verarbeite ich lieber in meinem privaten Blog, Adresse auf Anfrage). Vielmehr obliegt es dem Tätigkeitsbereich einer Dramaturgin, Informationen zum und ums aktuelle Stück zu recherchieren und in der Textgrundlage der Inszenierung sowie dem zugehörigen Begleitmaterial zu verarbeiten. Weil unsere liebe Mona Bratrich das aber alles viel besser selbst erklären kann, haben wir sie schon vor Monaten interviewt (haben dann aber vergessen, es hochzuladen waren dann aber journalistisch so eingespannt, dass wir die Veröffentlichung ganz bewusst auf später verschoben haben).
Leset und lernet!

Mona Bratrich (Foto: Bernd Dreseler)

 

Liebe Mona, wie bist du zu tollMut gekommen?

Zu tollMut bin ich über Tim und Dave gekommen. Ich hab mit Tim bei Projekttheater von der Uni gespielt und der hat mir irgendwann Dave vorgestellt. Ich interessiere mich ungefähr immer für alles, was mit Theater zu tun hat (ich sortiere dann irgendwann aus, aber tollMut hat mich weiter gefesselt) und so haben wir nach “Haus Herzenstod” gedacht, dass ich auch hochoffiziell an einem Projekt mitarbeiten könnte – die Frage war nur wie.
Ich hab Theaterpädagogik gelernt – braucht ihr nicht. Ich hab zu viel Angst vorm Casting und kann deswegen leider nicht mitspielen. Aber ich kenn mich auch sonst ganz gut mit Theater aus, habe Theaterwissenschaft studiert und an der Oper in Hannover ein Praktikum in der Dramaturgie gemacht.

 

Was sind deine Aufgaben als Dramaturgin?

Damals im Vorstellungsgespräch in Hannover wusste ich das auch noch nicht so genau, aber man lernt ja nicht aus. Für den “Sommernachtstraum” bestanden meine Aufgaben aus Textbearbeitung, Probenbetreuung, außerdem darin, darauf aufzupassen, dass der gute Dave sich nicht in einer Regieidee verliert und dabei das Stück vergisst oder vernachlässigt, außerdem Hintergrundrecherche und die Gestaltung des Programmhefts.

 

Über den Punkt “Textbearbeitung” würde ich gerne mehr erfahren. Wie darf man sich das vorstellen?

Zuerst habe ich unabhängig von Dave den Text ein paar Mal gelesen. Dann haben wir uns zusammengesetzt, erste Ideen ausgetauscht und versucht, Motive in Worte zu fassen, die Figurenkonstellation zu durchblicken (Dave kam immer wieder mit Lysander, Demetrius, Helena und Hermia durcheinander) und Probleme, die wir an unterschiedlichen Stellen mit dem Text hatten, gemeinsam zu lösen.
Und dann kam die Fleißarbeit: eine eigene Fassung für tollMuts Sommernachtstraum zu erstellen. Wir haben ziemlich viel Text und auch Personen gestrichen, Szenen hin und her getauscht und stumme Sequenzen eingebaut. Da waren wir uns nicht immer ganz einig, konnten aber gut diskutieren. Es geht dabei ja nicht in erster Linie um Geschmack, sondern darum, was es braucht, um dem Text „treu“ zu bleiben. Es wird ja kein postdramatisches Theater, in dem wir das Stück nach unseren Wünschen auseinandernehmen und neu zusammenfügen.
Spannend ist vielleicht, dass wir den Text der Handwerker komplett rausgelassen haben, weil der im Probenprozess entstehen sollte (was an den drei verschiedenen Sprachebenen im Text liegt und wir die Sprache der Handwerker als realistische, heutige Alltagssprache wollten). Ich beschäftigte mich auch nicht nur mit dem Text an sich, sondern auch mit den Motiven und Themen, die wir stark fokussierten.

 

Was sind das für Motive und Themen, die ihr in den Vordergrund stellen wollt?

Groß ist der Mond, als Symbol der Nacht. Die Nacht als Symbol von Alptraum und Traum. Aber da will ich gar nicht zu viel vorwegnehmen, es soll ja spannend bleiben.

 

Was sind Schwierigkeiten und Herausforderungen der Bearbeitung dieses Textes im Speziellen?

Auf jeden Fall das Versmaß! Du kannst nicht einfach einen Satz rausnehmen, weil dann der ganze Flow kaputt ist. Du musst entweder umdichten oder passend streichen. Wir haben beides getan.

 

Ist es beängstigend, Shakespeare zu bearbeiten? Schließlich werden viele Zuschauer den Text kennen und mit klaren Erwartungen zur Aufführung kommen.

Ich finde es überhaupt nicht beängstigend, weil ich aber natürlich auch von meiner eigenen Theatereinstellung und –erfahrung ausgehe und es selbst spannend finde, die verschiedenen Blicke und Herangehensweisen der Regisseure zu sehen. Jeder kann einen anderen Fokus setzen und genau das macht es doch reizvoll, einen so alten und bekannten Text immer und immer wieder zu inszenieren und zu spielen. Man sollte als Theaterbesucher eine Grundoffenheit mitbringen.


16.07.2018 by Pierre Stoltenfeldt

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Wie es in den Wald hineinschallt…#7

Uns ist zu Ohren gekommen, dass man sich erzählt, dieser Blog hier sei von Qualitätsjournalismus sogar noch weiter entfernt als eine Bildzeitung es je zu träumen wagen würde. Ja, liebe Leute, was habt ihr denn erwartet? Wen interessieren denn Daten und Fakten, wenn man auch einfach Tratsch, intimste Geheimnisse und peinliche Fotos veröffentlichen kann? Aber wir sind ja nicht so; ein paar wertvolle Informationen haben wir doch immer irgendwo auf Lager, ihr müsst nur sorgfältig lesen. Wir können sogar richtig nett sein und weisen euch auf wichtige Sachen auch gern nochmal hin, also falls ihr es bis jetzt übersehen haben solltet: Wir feiern diesen Sommer 10-jähriges Jubiläum! Ja, richtig gelesen. 10 Jahre gibt es tollMut schon. Aufregend, ne? Und als wäre ein Jubiläum noch nicht genug, kann eine unserer Darstellerinnen direkt mitfeiern. Melanie Wagner steht diesen Sommer ebenfalls seit 10 Jahren auf der Theaterbühne. Nicht immer bei tollMut zwar, aber trotzdem Grund genug für sie (und für uns) sich doppelt zu freuen, dass sie jetzt für den „Sommernachtstraum“ gecastet wurde. Zusammen mit Pepa Ulrich, die uns bereits beim letzten Stück die Ehre erwies, könnt ihr sie auf der Bühne rumrennen sehen. Ja, sie rennen und springen, sind laut und stehen eigentlich nie still. Welche Rollen sie spielen, fragt ihr euch? Melanie und Pepa sind Puck. Ja, ganz richtig, beide sind Puck, Helfer von Titania und Oberon. Einerseits das gleiche Wesen, andererseits könnten sie gegensätzlicher nicht sein, verkörpert die eine doch den Traum, die andere hingegen den Alptraum. Klingt spannend? Ist es auch, aber lasst euch davon gern ab morgen selbst überzeugen.

 

Fakt ist, dass wir vermutlich keine bessere Besetzung hätten finden können, schließlich sagt Melanie selbst, dass sie genauso durchgeknallt, aufgedreht und nervig ist und auch Pepa kann sich in dieser Rolle sehr gut wiedererkennen obwohl sie zugeben muss, dass sie Puck manchmal auch gern eine Beruhigungsspritze verpassen würde. Die Proben jedenfalls waren das reinste Sportprogramm, Grund genug für die beiden auch darüber hinaus gemeinsam ins Fitnessstudio zu gehen um das gleiche Fitnesslevel zu erreichen. Das nenne ich mal Einsatz!
Vollen Einsatz zeigt Pepa aber vermutlich bei allem was sie so tut, auch wenn es darum geht sich in einer Umkleidekabine so genau wie möglich von allen Seiten und aus allen Winkeln zu betrachten. Blöd nur wenn man vergisst, dass der Vorhang nicht bodenlang ist und man erst durch schallendes Gelächter der wartenden Menschen daran erinnert wird, dass es wohl nicht die beste Idee ist, sich halbnackt hinzuhocken. Tja, langweilig wird es mit Pepa wohl wirklich nie; wenn man ihre Freunde fragt, könnten sie wohl Bücher mit peinlichen Pepa-Geschichten füllen. Aber kein Wunder, wo sie doch laut eigenen Angaben einer der tollpatschigsten Menschen dieser Erde ist und zudem noch gerne mit sich selbst spricht; da kann man stundenlang einfach nur zusehen und sich amüsieren, danke dafür! So ein Leben kann aber wohl auch sehr anstrengend werden, weshalb die Süße auch viel Schlaf braucht und so auch kein Problem damit hat, einfach mal auf einer Bühne einzuschlafen. Na hoffentlich passiert ihr das bei uns nicht!

Im Zweifelsfall wäre aber sicher Melanie direkt zur Stelle, um sie zu wecken, entweder indem sie als Puck schreiend um sie herumläuft oder sich einfach daneben stellt und etwas trinkt. Das geht bei ihr nämlich nicht leise vonstatten: wenn Melanie trinkt, kann man das auch noch im letzten Winkel Hinterindiens hören. Ist ja auch ein Talent… Auch wenn sie davon einige hat. Ihre Fähigkeiten als Makeup Artist haben wir ja hier bereits vorgestellt, ganz neu aber haben wir jetzt von ihrer blühenden Phantasie erfahren, die in ihren Träumen immer wieder zum Vorschein kommt. So träumt sie des Öfteren davon, wie sie in einem Kaufhaus vor Dinosauriern und blutrünstigen Waschbären fliehen muss. Manchmal gelingt es, manchmal auch nicht. Das ist doch mal was für alle Hobbytraumdeuter da draußen, oder? Amüsant ist es allemal, vor allem, wenn sie es persönlich noch viel detaillierter erzählt, um davon abzulenken, dass sie keine peinlichen Geschichten für uns hat. Die hat sie nämlich „vergessen“; ja sicher doch Melanie…


03.07.2018 by Alina Schäfer

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Wie es in den Wald hineinschallt… #6

 

Als vor circa 67 Jahren die beiden folgenden Herren, der eine im Kindergarten, der andere beim Pen&Paper – Rollenspiel, das erste Mal mit dem Thema „Theater“ in Berührung kamen, hätte es nicht einmal Rafiki beim Orakel von Delphi mithilfe von Professor Trelawney voraussehen können, dass die beiden nun gemeinsam die Bühne mit ihrem Schweiß und ihrem ambivalent jugendlichen und erfahrenen Charme ehren würden. Jedoch stehen die Planeten in einer Reihe, die No Angels kündigen ihr Comeback an und Bigfoot wurde auf einer guten Kamera aufgenommen. Die Zeit ist also gekommen: Törless Mackensen und Pierre Stoltenfeldt betreten zum ersten Mal gemeinsam in einem Stakkato von Applaus und Schnappatmung die tollMut’schen Bretter, die die Welt bedeuten.

Dabei spielen sie dann die beiden Handwerker Flaut (Törless) und Zettel (Pierre) und verzerren dabei die Normen der Gesellschaft so sehr, dass wir nicht mehr wissen, wo oben und unten ist. Bei der selbsternannten Chaostruppe der Handwerker ist das nicht weiter verwunderlich, vor allem weil die anfänglichen Proben tatsächlich auf improvisierter Basis stattfanden. Dass dabei textliche Wunderwerke völlig neuen Ausmaßes herauskommen, ist spätestens in Anbetracht dieser beiden tollMut-Veteranen im Erwartungshorizont gewesen. Denn für beide ist es bei weitem nicht das erste Stück: Nach kurzem Gehader sind beide, zu unterschiedlichen Zeiten, zu ihrem ersten Casting gegangen und haben seitdem etliche Stücke aufgeführt. Törless freut sich nun vor allem, mit Urgesteinen wie Pierre und Valerie und gleichzeitig mit frischem Wind wie Nika und Margo spielen zu können (siehe früherer Blogeintrag). Pierre, ganz der Pädagoge, hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, anhand seiner Rolle vielleicht noch etwas über sich selber rauszufinden (uiuiui, der Streber). Für jemanden, der mit 17 bei der Kripo saß, weil er sich bei einer Telefonsexhotline als Frau ausgegeben hatte, klingt das ganz schön hochgestochen. Gleichzeitig darf man aber seinen inszenatorischen Impetus, den er seit der Schule durch (halbwegs) selbst geschriebene Stücke ausdrückt, nicht außer Acht lassen. Aufbrausende Wasser können auch tief sein. Vor allem, wenn (Achtung: Wortwitz!) Pierre zu tief ins Weinglas geguckt hat und sich im Nu zu Dr. Stoltenfeldt, ihr freundlicher Therapeut in der Nachbarschaft, transformiert hat. Da kriegt man eine Diagnose, ob man will oder nicht. Von abgefahrenen Sexträumen und Entführungen zu Mario-Kart-Pisten (auch im Traum) wollen wir hier gar nicht anfangen. So tief wollen wir auch bitte nicht in die Psyche der beiden schauen, wer weiß, was da zurückguckt und obszön zwinkert.

Das Wichtigste nun zum Schluss: Im Zuge eines dieser sich alle vier Jahre wiederholenden Sportturniere, bei denen sich plötzlich 90% der Bevölkerung eines jedes Mitgliedlandes nicht nur zum garantiert allerersten Fan sondern auch zum fundiertesten Experten selbst deklarieren, stand Törless im Jahre 2006 vor einem mexikanischen (Argh) Fernsehteam und hat auf „betrunkenen“ Spanisch ein Interview gegeben. Sollte also jemand von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die gesamte Videothek des mexikanischen Fernsehens der letzten 12 Jahre besitzen, wären wir Ihnen zu unendlichem Dank und so vielen feuchten Händedrücken, wie Sie es sich in Ihren kühnsten Träumen nie erhofft haben, verpflichtet, wenn Sie uns das betreffende Material überhändigen könnten.

Wir warten und hoffen.


01.07.2018 by Jan A. Mohr

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Wie es in den Wald  hineinschallt #5

 

Namarie! Ja, gut, das war jetzt versehentlich die Elfensprache aus „Der Herr der Ringe“, und die ganzen Galadriels und Elronds sind mit Shakespeares Oberon und Titania weder verwandt noch verschwägert. Aber wer weiß schon, wann die Gelegenheit noch einmal günstig ist, einen Blogbeitrag so einzuleiten? So viele Stücke drehen sich jetzt auch nicht um die Langohren aus dem Zauberwald und wir Nerds wissen unsere Chancen zu nutzen, verehrte Leserinnen und Leser. Nur auf Tinder nicht, da sind wir verloren! Blöd nur, dass ich mir jetzt eine gescheite Überleitung zum eigentlichen Thema aus den Fingern saugen muss. Ah, da kommt er ja schon geschossen, der Geistesblitz: Während in den Eskapismus-Wälzern des alten J. R. R. Tolkien (das zweite R. steht für Reuel, kein Witz!) im Laufe der Äonen diverse Ringe ihre Besitzer wechseln wie der Bachelor die Betten, werden im #reallife ja heutzutage eher selten die Ringe getauscht. Heiraten ist out aber Scheidungen hip, und die Soziologen behaupten, dafür seien einzig und allein falsche Erwartungen an die Liebe verantwortlich, die in der Realität gar nicht erfüllt werden könnten. Nicht auf jeden Topf passe nämlich einen Deckel, ewige Liebe sei Mumpitz und auf ihren Prinzen in goldscheinender Rüstung könne Dornröschen da oben lange warten. Was, fragen wir uns da hochrot vor Empörung, erzählen die uns als nächstes? Dass Vampire gar nicht im Sonnenlicht glitzern? Jedenfalls schieben diese Soziologen unter anderem Herrn Shakespeare die Schuld für die falschen Erwartungen in die Schuhe, weil der sich den unrealistischen Romantik-Kram nämlich ausgedacht habe. Da können wir ja von Glück reden, dass wir im Apollo Theater keine Soziologie-Vorlesung darbieten und im Theater Romantik erlaubt ist, denn sonst müssten wir euch unsere Liebenden vorenthalten. Zwei der vier habt ihr ja schon lesend kennen gelernt, heute stellen wir euch mit Melissa und Valentin zwei weitere Turteltäubchen (oder, wie Pepa Ulrich sagen würde: Turtletäubchen) vor und machen das Quartett komplett.

Kinder, was haben wir in der Blogredaktion (Euphemismus. Eigentlich ist es bloß ein Whatsapp-Gruppenchat) geschwitzt, als Herr Andrés Garcia Diaz verlauten ließ, für den “Sommernachtstraum” nicht zur Verfügung zu stehen. “Wen sollen wir denn jetzt auf seinen Körper reduzieren?” wehwehte es da, und “Nun gehen uns ja 90 Prozent unserer Schreibanlässe flöten!”. Zum Glück ging dem Himmel unser Gejammer bald ausreichend auf den Keks, und so schickte er uns Valentin Rocke beim letzten Rollenentwicklungs-Workshop vorbei. Valentin Rocke – Lasst euch den Namen auf der Zunge zergehen. Klingt nicht nur wie eine Produktreihe aus dem Hause Durex, kommt auch mit einem Gesicht daher, das diese Produkte selbst den Anonymen Abstinenzlern verkaufen könnte. Im Zehnerpack. Zu unser aller Freude sah auch Regisseur Dave das Potenzial beim Casting und belohnte die Mühen des jungen Recken mit der Rolle des Lysanders. Bestimmt auch, weil man so die Reihen im Apollo mit kreischenden Teenie-Gören füllen kann. Wer den Lebendbeweis für den Grund unserer Schwämerei nicht abwarten kann, darf sich hier schon einmal unseren Hardcore-Teaser Numero Uno mit Valentin in der Hauptrolle gönnen:

So, nun aber flux zurück zu den Fakten, wir haben hier ja schließlich einen Bildungsauftrag! Valentin ist nämlich nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit Talent gesegnet. Das erkannte man auch am Jungen Theater Bonn, wo er bereits mit neun Lenzen Bühnenluft schnupperte und dort bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr Glückseligkeit unter dem Bonner Publikum verteilte. Dass er sich damit schon recht früh den Traum von der großen Bühne erfüllt hat, erklärt wahrscheinlich, dass er nachts eher von einer Welt träumt, die ausschließlich aus Wasserrutschen besteht. Und von Hundebabies – awwww! Wer jetzt allerdings schon die Frau Mama an der Strippe hat, um sie zu informieren, man habe endlich den perfekten Schwiegersohn für sie gefunden, sei gewarnt: Ganz so vollkommen ist der Kerl dann auch wieder nicht. Wenn Lautstärkeanzeigen, z.B. am Fernseher, nämlich nicht durch 5 teilbar ist, rastet er richtig aus!


Zur Wahrung des Friedens steht dem Divisionsfetischisten auf der Bühne mit Melissa Geißler eine Hermia zur Seite, die sich selbst als “ein kleines bisschen zickig” beschreibt und sich darum sicher effizient zur Wehr setzen kann, wenn ihr Lysander mal explodieren sollte, weil die Lautsprecher im Apollo auf 23 eingestellt sind. Wobei sie da wahrscheinlich Nachsicht walten ließe, ist sie schließlich selbst nicht vor Fehlbarkeiten gefeit: Als größte Macke beschreibt die tollMut-Debütantin, sich selbst ständig lautstark mit der Zunge am Gaumen kratzen zu müssen, sodass sie sich anhört wie ein Ferkel. Grunzgütiger, da haben wir aber alle Schwein gehabt,  dass Zungen auch 2018 noch nicht mit Lautstärkepegler geliefert werden! Wir dürfen gespannt sein, ob es am Mittwoch dann auch im Apollo von der Bühne grunzt, weil’s am Gaumen zwickt und juckt. Oder ob sie während der Vorstellung einfach umfällt und einschläft, denn das könnte ihr, sagt sie, immer und überall passieren. Betet mit uns, dass ihre langjährige Bühnenerfahrung sie davon abhält, oder bringt ihr gleich eine Cola mit, nehmen wir gern am Hintereingang entgegen. Und wenn doch alle Stricke reißen und Koffein zum Trotze die Lider schwer werden, können wir Melissas Schläfchen immer noch als Kalkül verkaufen. Passt ja schließlich zum Titel.


29.06.2018 by Pierre Stoltenfeldt

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Wie es in den Wald hineinschallt…#4

Wir haben euch vorwitzigen Lesern ja hier im Blog mittlerweile schon die verschiedensten Rollen vorgestellt, die der „Sommernachtstraum“ so zu bieten hat, aber ob ihr es glaubt und nicht: das ist noch längst nicht alles, es wird noch viel bunter und diesmal auch fantastischer, oh ja. Zur Halbzeit unserer Vorstellungsrunde präsentieren wir euch heute zwei Wesen, die nicht von dieser Welt sind: unser schillerndes Elfenkönigspaar Titania und Oberon. Wer jetzt allerdings an flatterhafte, kleine Wesen denkt, verwirft diesen Gedanken am besten sofort wieder, denn damit haben unsere Elfen ja nun wirklich überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, wir reden hier von zwei unheimlich mächtigen Wesen, die eigentlich im gesamten Stück die Fäden ziehen, Schicksale besiegeln und sich gegenseitig auch noch versuchen eins auszuwischen.
Zum Glück sind Rudolf Neubauer und Jule Erler, die die beiden spielen, sich im wahren Leben sehr viel besser gesonnen und machen bis jetzt auch noch keinerlei Anstalten die anderen Ensemblemitglieder zu manipulieren. Die Proben mit den beiden sind also reines Zuckerschlecken, wäre da nicht die verwirrende Sache mit der Verwechslung. Denn da zu Shakespeares Zeiten ja eh alle Frauen von Männern gespielt wurden und der alte William Verwechslungsgeschichten einfach nicht widerstehen konnte, dachte wir uns, wir erweisen ihm die Ehre und lassen einen Mann die Frau und eine Frau den Mann spielen. Also mimt Rudy die Titania, während Jule als Oberon das Zepter schwingt. Da ergeben sich bei den Proben dann schonmal so irritierende Dialoge wie: „Sie läuft dann nach rechts, hinter ihn“ „Also sie jetzt oder er?“ „Nein er! Also sie! Also Titania! Argh!“ Das Pronomenspiel auf einem ganz fortgeschrittenen Level haben wir hier. Aber genug dazu, ihr habt ja noch genug Gelegenheit das auf der Bühne zu bewundern. Ihr wartet doch nur darauf zu hören welche Macken unserer Darsteller bis jetzt erfolgreich vertuscht wurden, ist doch klar.

Schön, dass Jules Ticks ihr aber teilweise dazu verhelfen sich besser mit ihrer Rolle als Oberon zu identifizieren, sagt sie doch über sich selbst, dass sie auch ein kleines bisschen kontrollsüchtig ist und gerne den Überblick über alles behält. Allerdings auf eine sehr liebe Art und Weise, denn so zornig wie ihr Alter Ego wird sie definitiv nicht. Durch ihr Talent in den unpassendsten Situationen zu lachen, löst sie Konflikte auf ihre ganz eigene Art und wenn auch das nicht hilft, fängt sie einfach an 90er Jahre Hits laut und falsch mitzusingen, da ist dann bestimmt jede Streiterei vergessen und nervige Leute kann man damit auch sehr gut loswerden. Apropos loswerden: das wollte sie ihren Mädchennamen auch unbedingt und konnte es gar nicht erwarten ihren Namen zu ändern; unter anderem der Grund, weshalb sie den Heiratsantrag von ihrem jetzigen Mann sehr entschieden mit „JA“ beantwortete. Die Aussicht nicht mehr mit „Fick“ unterschreiben zu müssen, machte jede weitere Bedenkzeit wohl überflüssig. In der Hinsicht war sie dann doch ein wenig eitel.

Wobei Eitelkeit doch eigentlich viel besser zu Titania passt, jedenfalls wird sie so von Rudy beschrieben auch wenn er sich selbst darin gar nicht wiedererkennt. Nur das „Divalevel“ sei oft ähnlich, was auch immer das heißen mag… Eine Diva hätte jedenfalls vermutlich nicht wie er seelenruhig auf einer Matratze schlummern können, mit zwei weiteren Menschen darauf, bei denen es heiß zur Sache geht. Fragt sich wem das nun am unangenehmsten wahr als es dann schließlich auffiel. Dabei hätte er einfach am besten weiterschlafen sollen, denn bei seiner Phantasie klingt das tatsächlich nach einer sehr spannenden Beschäftigung, wenn er von endloser Kindheit oder Bäumen in menschlicher Gestalt träumt. Der verrückteste Traum allerdings den Rudy je hatte, ist leider zu lang um ihn euch hier zu schildern, aber fragt ihn mal danach, er erzählt es bestimmt gerne. Und wenn doch nicht, kann er euch immer noch den Trick vorführen wie er mit seiner Zunge einen Kirschstängel verknotet, da hat er ein Talent für.
Das wird auf der Bühne leider nicht zu sehen sein, aber es wird auch so verrückt genug mit unseren beiden Elfen. Freut euch drauf!


27.06.2018 by Alina Schäfer

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