Sekttaufe

Solltet ihr, liebe Freunde des professionalisierten Internetstalkings, nach dem Casting gemutmaßt haben, es werde nun erst einmal ruhig werden im Blog, seid ihr Opfer eines närrischen Irrglaubens geworden! Wir schlafen nie, wir investigieren unermüdlich, wir haben Quartier in den Nachttischschubladen der Darsteller bezogen, um jedes nachlässig im Schlaf gemurmelte Wörtchen zu einem Skandal aufzublasen. Alles nur, um eure (berechtigte!) Neugier zu befriedigen und eure (grundguten!) Herzen zu wärmen. Es geht auf den Winter zu, meine Damen und Herren, da sind Befriedigung und Wärme doch das Einzige, was der Mensch ersehnt! Bedürfnisorientiertes Blogging ist unser Motto und darum spannen wir euch auch nicht länger auf die Folter und beginnen mit der bedeutsamsten Meldung der Woche:

Regisseur David Penndorf ist mit der Haarschneidemaschine abgerutscht, das Malheur war nicht mehr zu bändigen und darum trägt er jetzt Glatze!

Die Darsteller (und Teile des Teams. Rechts im Bild: Dave mit Glatze)

Nichts zu danken.

Außerdem fand vor rund einer Woche die erste Probe statt, sofern man dieses gemütliche Beisammensein bei elektrischem Kerzenflackern denn so nennen mag. Eigentlich saß man nämlich bloß gemütlich im Kreis, plauderte und reichte Kokain herum. Natürlich den Roman, ihr Elendstouristen! Zum ersten Mal in der langen und ereignisreichen Geschichte des tollMut-Theaters wird in der laufenden Produktion erst während der Proben der Text für die Inszenierung entstehen, und zwar auf Grundlage des Schmökers „Kokain“ von Pitigrilli. Der hat zwar schon knapp 100 Jahre auf dem Buckel, doch werden Antiquitäten bei tollMut bekanntlich in Ehren gehalten, sonst dürfte Herr Stoltenfeldt diesen Blog ja auch nicht schreiben. Die Regieassistenten atmen angesichts dieser Neuerung auf: Eigentlich ist es deren Aufgabe, schwitzend und keuchend in das Textbuch des Regisseurs jede unverständlich gemurmelte Änderung, jeden Strich, jede noch so kryptische Anweisung an die Schauspieler und das Technikteam, sowie den Einkaufszettel eurer Heiligkeit mit Bleistift einzupflegen, alte Befehle, die der Regisseur „niemals erteilt hat!“, verschwinden zu lassen und dabei artig zu lächeln. Doch darf man nun, Neuerung sei Dank, endlich frohlocken: „Kein Regiebuch, keine Sehnenscheidenentzündung!“

Korken knallen, Sektflöten und Massagekissen werden in der Assistenzecke parat gelegt.
Die Umstrukturierungsmaßnahme sieht für diese Produktion also vor, auf Grundlage des Romans Szenen zu improvisieren und diese Improvisationen wiederum in einen Text „frei nach Kokain“ umzuwandeln. Um dies zu vereinfachen, sollen die Improvisationen während der Proben auf Tonband aufgenommen und im Anschluss transkribiert werden. „Haha!“, hört man es da betrunken aus den Assistenzreihen lallen, wo man gerade die siebte Flasche Prosecco geköpft hat, „Welcher Vollidiot soll sich denn diese ganze Arbeit machen?“. Ratet mal, ihr Assistenten. Ratet mal.

In dieser Woche jedoch wird noch nicht transkribiert. Hier steht zunächst Ensemblebildung und freie Improvisation mit den Mitteln des „Rituellen Spiels“ an. Natürlich sind die Blogger auch da für euch am Beat. Haltet also die Augen offen, dabei soll „Kokain“ ja ohnehin ganz gut helfen.


29.10.2018 by Pierre Stoltenfeldt