Was sich reimt, das stimmt #1

„Zu einem guten Ende gehört auch ein guter Beginn“, soll Konfuzius gesagt haben, aber dem wird ja heutzutage alles Mögliche in den Mund gelegt, „Geiz ist geil“, zum Beispiel, oder „Make America great again“. Kann sich ja nicht mehr wehren, der Arme.
In unserer neuen Mini-Blog-Serie fühlen wir dem ersten Zitat, bei dem wir (und Google. Und Wikipedia.) uns recht sicher sind, dass es wirklich von Konfuzius stammt, auf den Zahn und beleuchten die Anfänge unserer fünf Darsteller in „Einsame Menschen“.

Die meisten dürften es mitbekommen haben, denn die Plakate waren bunt und penetrant platziert: Am Anfang unserer Produktion stand ein Casting, und wer mitspielen wollte, sollte dort ein Gedicht vortragen. Wie unsere Akteure zum Casting gekommen sind und welche Meisterwerke der Lyrik sie ausgewählt hatten, um sich dort ins rechte Licht zu rücken, erfahrt ihr in Zukunft also hier, exklusiv und knallhart recherchiert, in unserer skandalösen Enthüllungsreihe „Was sich reimt, das stimmt“.

Den Anfang macht der Ricky Martin unseres Ensembles, Andrés Garcia Diaz, dessen Namen – dies am Rande – bis heute niemand richtig aussprechen kann. Er selbst übrigens auch nicht (dies bestätigen spanische Insider). Dass der Herr mit dem Zungenbrechernamen uns sein unbestreitbares Talent in „Einsame Menschen“ zum ersten Mal zur Verfügung stellt, ist einem Irrtum geschuldet, dessen Tragweite uns alle bis ins Mark erschüttert: Unsere mit viel Herzblut gestaltete Werbung für Stücke und Castings hatte er in all den Jahren zuvor nämlich für die Propaganda einer fanatischen Sekte gehalten – Kein Witz, hat der wirklich so gesagt, der Ricky.
Weil da melancholische Sprüche drauf gestanden hätten und irgendwas von Einsamkeit.
Ist denn das zu fassen? Zum Glück war der Blick seiner Frau Mama diesbezüglich schärfer und sie brachte ihm einen Schnipsel von einem unserer Castingplakate mit. Da standen keine Sprüche drauf, damit haben wir ihn gelockt, bald klingelt auch er artig bei Fremden und fragt „Kennen Sie diese Schriften?“

Andrés Garzia Diaz  (Fotocredit: Bernd Dreseler)

Dass er sich beim Casting gegen die übrigen Wettbewerber durchgesetzt hat, kann zweifellos nur an Andrés‘ großen mimischen Begabung liegen, denn – da sind wir ehrlich – seine Gedichtauswahl kann unmöglich der ausschlaggebende Punkt gewesen sein.
Während andere sich an Goethe und Rilke abmühten, präsentierte der neuste Zugang in unserer heimeligen kleinen Sekte sich mit ein paar heiteren Reimen, die er auf dem Sechzigsten einer Tante aufgeschnappt hatte.
Wir sind uns nicht sicher, glauben aber, es geht darin um einen Popel. Lest und lacht selbst, feiert mit uns den Kerl, der aus Popeln Bühnengold machen kann und freut euch auf seine großartige Performance bei „Einsame Menschen“!

Der Mümmel (gekürzt)

Ich ging im Wald so für mich hin
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.
Ich bestaunte Blumen im Gras
und fummelte mit dem Finger in der Nas‘.

Ich hatte an demselben dann,
plötzlich einen Mümmel dran.
Was hat so ein Mümmel für einen Zweck?
Ich dachte: der muss weg!

Ich rollte ihn auf die Fingerkuppen
und versuchte ihn dann weg zu fluppen.
Es plitschte in Richtung Waldesrand
und wie guck‘, hatte ich ihn immer noch an der Hand.

Verflixt nochmal, was sollte ich tun?
Ich setzte mich um auszuruhn
und angestrengt zu überlegen,
dieses verflixten Mümmels wegen.

Ach denk ich, jetzt klebst Du ihn unter die Bank,
als ich guck‘ da hab ich ihn immer noch in der Hand.
Inzwischen war er kugelrund
und jetzt kommst du weg, du Schweinehund.

So sagte ich und ging im Nu,
auf eine dicke Eiche zu.
Ich streich vorbei so elegant
und ich guck‘, da hatte ich ihn immer noch an der Hand.

Jetzt oooh, habe ich ihn zwischen zwei Fingern,
wie man das so tut mit solchen Dingern.
So kriegte ich ihn auch zu fassen,
ich wollte ihn heimlich fallen lassen.

Doch eh ich die Gefahr erkannt,
da hatte ich ihn an der anderen Hand.
Verflixt noch mal, was war ich sauer,
beim nächsten Mal da bin ich schlauer.

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15.01.2017, by Pierre Stoltenfeldt

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