Leuchtet mir!

Der Text sitzt?
Die Bühne steht?
Sind alle Requisiten da?
Kostüme zusammengestellt?
Gut, dann kann’s ja los – nein, halt! Es fehlt Licht.

Das Bühnenlicht wird für gewöhnlich als letzter Schritt vor den Hauptproben eingerichtet. Hauptproben sind die letzten Durchlaufproben, bei denen alle Elemente einer Inszenierung zusammen kommen. Dann wird geschaut, ob alles miteinander so funktioniert, wie es gedacht war. Das ist noch nie vorgekommen.

„In Stimmung Fünf, bitte die Drei auf 20% und die Sieben auf 50%.“
Bei der Beleuchtungsprobe sitzt die mies gelaunte – weil durch die nahende Premiere gestresste – Regisseurin im dunklen Zuschauersaal eines Theaters. Neben ihr eine zitternde Assistentin, die seit Tagen nicht geschlafen und inzwischen die dreißigste Tasse Kaffee neben sich stehen hat. In der Lichtregie, „hinterm Pult“, eine, von der üblen Laune der Regisseurin gestresste, Beleuchterin. Zahlen von Lichtstimmungen schwirren durch die Luft, vermischen sich mit Nummerierungen der Scheinwerfer und Prozentzahlen, wie hell sie eingeschaltet werden sollen. Eine Methode zum effizienten Einstellen der gewünschten Stimmungen ist noch nicht erfunden und so macht man mal den Scheinwerfer an, dazu noch einen anderen und dann doch nicht. Ach ja – auf der Bühne muss die Hospitantin als Lichtdouble auf und ab gehen und wähnt sich in der Hölle: Grelle Scheinwerfer die immer wieder in unterschiedlichen Farben strahlen und wieder erlöschen, dabei hirnlos mal zwei Schritte nach vorn oder mal nach rechts ablaufen um die Positionen der Schauspielerinnen zu markieren und das immer wieder und zwar über Stunden. Gerade bei aufwändigen Inszenierungen ziehen sich die Beleuchtungsproben oft bis in die frühen Morgenstunden und so manche Open-Air-Regisseurin hat schon versucht, das Morgenrot als Lichtstimmung abzuspeichern.

Aber es lohnt sich! Mit dem Licht kommt die Magie ins Theater: Die Illusion eines Sonnenstrahls, psychedelische Bilder bei Schwarzlicht oder unheimliche Schatten, die über den Boden kriechen. Nahezu unendliche Möglichkeiten – sofern man über die technische Ausstattung einer professionellen Bühne verfügt.
Viele Möglichkeiten bedeuten eben viel Stress bei den Beleuchtungsproben. Uns stehen diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung – deswegen sind wir auch viel entspannter (zumindest bei den Beleuchtungsproben).
Nein, ich jammere nicht, im Gegenteil! Man muss sich etwas einfallen lassen, wenn man mit wenigen Mitteln eine Bühne beleuchten will oder gar spannende Effekte zaubern möchte. Insbesondere wenn man, wie wir, an ungewöhnlichen Orten Theater spielt.

Unsere Ausrüstung besteht aus einer Hand voll Bauscheinwerfern und Verlängerungskabeln aus dem nächsten Do-it-yourself-Store, einem DMX-Dimmer von Ebay und einem Schaltrelay aus den Restposten. Wir sind glücklich über jedes neue Spielzeug und versuchen seine Möglichkeiten auszuloten. Ein Puzzleteil was uns noch fehlte, war ein brauchbares DMX-Mischpult. Das ist das Teil, mit dem man Lichtstimmungen abspeichern und dann wieder abspielen kann. Doch dank den Technikenthusiasten vom Hackspace Siegen, mit denen wir schon lange einen regen Austausch pflegen, haben wir für „Einsame Menschen“ auch dafür eine Lösung gefunden:

Dieses kleine Kästchen wurde von Simon entwickelt und zusammengebaut: Ein kleiner Mikrocontroller als Gehirn, ein Schieberegler, ein Drehknopf und ein DMX-Anschluss. Das Gehäuse ist auch selbst gemacht, oder zumindest selbst gedruckt. Es stammt aus einem 3D-Drucker aus dem FabLab der Universität Siegen. Und was tut es nun? Über einen Computer kann man diesem Wunderkästchen Lichtstimmungen beibringen und diese allein mittels des Schiebereglers abspielen. Damit ist es eine vollwertige DMX-Steuerung, die man selbst und bequem programmieren kann. Nicht so spannend? Unsere Lichtprobe war dank des Kästchens bereits nach einer Stunde beendet und wir sind frohgemuts nach Hause gefahren. Kein Stress und trotzdem tolles Licht!

Vielen Herzlichen Dank an dieser Stelle für die viele Mühe und Arbeitszeit, die Simon in das Wunderkästchen hineingesteckt hat und auch vielen Dank für all die Unterstützung vom Hackspace und dem FabLab!

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20.01.2017 by David Penndorf

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