Fight Club oder so

Von tollMut – Produktionen ist man ja mittlerweile gewöhnt, dass sie ein bisschen anders sind als man vielleicht erwarten mag. Ein bisschen verwunderlicher. Aber bei Haus Herzenstod haben es sich Regisseur Dave und die Darsteller, derer es nicht weniger als neun sind, scheinbar zur Aufgabe gemacht, noch eine Schippe drauf zu legen. Dafür muss natürlich geprobt werden und, meine lieben Leserinnen und Leser, es wird geprobt, und zwar nicht zu knapp.
Schon ein einziger Probenabend ist so vollgepackt, dass man, auch ohne den Vornamen Dagobert tragen zu müssen, mit reinstem Gewissen Karten dafür verkaufen könnte. Hier wird lautstark philosophiert, alberne Gangarten werden ausprobiert, sogar Dave lässt es sich nicht nehmen, uns, in einem bemerkenswerten Akt der Selbstaufopferung, eine seiner bekannten Rollen vorwärts zu demonstrieren. Kurzum: Jeder lässt die Sau (Charly Kindervater) raus. Worauf jedoch noch einmal besonderes Augenmerk zu legen ist, ist die systematische Zerstörung von Tim Lechthalers Hand. Aus Gründen, die nur Dave und das Skript kennen, wird der mit einer Gerte bestraft. Dies will jedoch geübt sein, vor allem, mit genug Schwung, dass es auch ordentlich knallt, des Burschen Hand zu treffen. Wie es sich herausstellt, ist jemand (Julie Tiepermann) nicht sehr versiert mit der Gerte und muss es deswegen, leider Gottes, immer und immer und immer wieder versuchen, damit auch mal richtig Konsistenz ins Schlagen kommt. Dass das sich wiederholende „Knall – Ah!“, das sich aus der Interaktion zwischen Tims Hand und sirrender Gerte ergibt, nicht reicht, ist natürlich klar. Also folgen parallel dazu Würgegeräusche, untermalt vom schmerzerfüllten Stöhnen Daves, der sich bei seiner zweiten Rolle vorwärts nun doch übernommen und die Schulter geprellt hat. Das können Charly und Tim nicht auf sich sitzen lassen und testen, wie sie auf möglichst schmerzvolle Art und Weise nach waghalsigem Zusammenprallen zu Boden stürzen können. Julie ist das alles zu viel geworden und sie steht bloß noch apathisch da und versucht, jeden Vorschlag aus dem wachsenden Publikum (mittlerweile ist fast das gesamte Ensemble anwesend), wie man denn jetzt am besten Tim zu schlagen habe, auszuführen. Dave sitzt mit bleichem Gesicht an die Wand gelehnt und murmelt leise „Hermine… ach nein, schon wieder falsch!“ vor sich her; das Publikum jubelt, als ein neuer lauter Knall Tims Mund bisher noch nicht gekannte Töne entlockt.

Tim Lechthaler kriegt ’ne Schelle von Julie Tiepermann und Charline Kindervater

Dann ist es soweit: Nach zwei Stunden, die von Leichtathletik und BDSM bestimmt waren, ruft Dave zum Durchlauf der Szene. Die dazugehörigen Darsteller stellen sich im Raum auf und vollführen ihre Psychologische Gebärde, mit der sie in ihre Rolle finden. Daraufhin schälen sie sich mit einem imaginären Messer aus sich selbst und schwupps, die Charaktere sind da. Ein bisschen betrübt schaut sich der Rest noch ein letztes Mal an, wie die Gerte auf Tims Hand niederfährt und (Juchu!) trifft und dann ist der Probenabend auch schon vorbei. Aber bei so viel Elan und Enthusiasmus, der vom ganzen Ensemble an den Tag gelegt wird, kann man nur mit Vorfreude aufs Endergebnis schielen.


08.01.2018 by Jan Mohr клик кляк цена

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.