Das Rudel rumreißen

Das Rudel beim Proben

Gruppen sind schon eine faszinierende Angelegenheit, nicht wahr?
In der Unibib platzen die Bücherregale vor lauter psychologischen, soziologischen, pädagogischen, esoterischen, linguistischen, religiösen, historischen und wahrscheinlich auch thermodynamischen Weisheiten, die irgendwelche Doktoren und Pseudodoktoren zur Zusammenbringung und Organisation von Gruppen, zu ihrer Sprache und Dynamik mal mit guten, mal mit monetären Absichten den Buchmarkt gespeist haben.
Haben wir immer so ein bisschen belächelt, zugegeben, aber jetzt, am Höhepunkt unserer Arbeit an „DNA“, erhielten wir zumindest eine grobe Ahnung davon, warum so viele Leute sich so viele Gedanken zu den menschlichen Rudeln machen. Wir könnten inzwischen auch ein paartausend Seiten füllen.

Rudeldehnung

Kaum zu glauben, dass dieser wilde Haufen sich erst seit 3 Monaten kennt, wenn man die so zusammen sieht. Die Voraussetzungen haben es jedenfalls nicht erahnen lassen. Unterschiedlicher könnten sie nämlich kaum sein, unsere elf Akteure: Da wären die Nerds, die mit leuchtenden Augen und Motivunterwäsche überm Hintern der übernächsten „Batman VS Barbie und Ken“-Verfilmung entgegenfiebern, dazwischen der klassische tollMut-Hipster™ in gelben Shorts und Hosenträgern, die gleich als Hintergrund für das nächste Selfie in der Instagram-Story unserer Social Media Enthusiastin herhalten müssen, während irgendwo anders jemand nervös auf die Uhr guckt, damit er vor lauter Selfies nicht sein Boxtraining verpasst oder die Gelegenheit, noch bei Tageslicht an seinem Auto zu schrauben. Ein anderer bestellt seine Pizza sogar mit Sardellen (bah!), aber DAS ist nochmal ein GANZ anderes Thema. Kurz und gut: Im Alltag hätten diese Leute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zusammen gefunden und wenn man gemeinsam vorm Probenraum steht, kommt es schonmal vor, dass Vorbeifahrende vor lauter Starren fast eine Straßenlampe mitnehmen. Trotzdem klappt es irgendwie mit dem Miteinander, ist irgendwie so etwas wie Familie oder zumindest wie bucklige Verwandtschaft entstanden, halten alle doch denselben Strang in den Händen und ziehen gemeinsam. Man hat gelernt, wer einen Peniswitz auch beim zehnten Mal noch witzig findet (ich, z.B.) und neben wem man ihn sich lieber verkneift, wenn man nicht von einer Wasserflasche abgeworfen werden will. Man hat gelernt, wen man nach einer emotionalen Probe in den Arm nimmt und wer Zeit für sich braucht. Und wenn man die ganze Meute in einen dunklen Raum sperren würde, könnten sie inzwischen wahrscheinlich ohne Worte bereits am Schweißgeruch erkennen, wer gerade neben ihnen steht. Das ist Intimität, Freunde, so hat das gefälligst auszusehen!
Bei allen PartnerInnen, besten Freunden und Müttern entschuldigen wir uns an dieser Stelle und versichern: Ihr habt sie in zwei Wochen wieder, eure Lieben, und irgendwann hören die auch wieder auf, sich nur noch über Zitate aus dem Stück und alberne Insider (auch inbrünstig gesungen: „Das ist eine schlimme Lage“ – bereits jetzt ein Evergreen) zu verständigen. Wirklich. Für uns Regisseure waren und sind die Unterschiede der Schauspieler immer ein großer Gewinn, aber auch eine große Herausforderung gewesen: Schön, wenn man mit unterschiedlichen Typen, Hintergründen und Erfahrungen zu tun hat, schade, wenn man zur Probe geht, und die Familienpackung Ritalin zu Hause vergessen hat. Zum Glück besteht das Regieteam aus einem Pädagogen und einer dreifachen Mutter, da kann nichts mehr richtig schrecken. Ein Hühnerhaufen, sage ich euch: Kaum hat man das gackernde Federvieh auf der einen Seite des Raumes zur Raison gebracht, flattert und kräht es auf der anderen Seite los: „Aber du hast doch gesagt….“, „Proben wir schon oder kann ich nochmal aufs Klo?“, „Hat jemand meine Hose gesehen?“ Keine Angst, alles nicht so dramatisch: Spaß macht es auf jeden Fall immer, Energie haben sie, die Süßen, und genau das ist, was sie für „DNA“ brauchen – den Kururlaub auf Malotze können wir dann hinterher immer noch antreten.

Das Rudel macht sich zum Affen

Jetzt heißt es nochmal in die Hände spucken, Pillen droppen und dann auf zu den Hauptproben! Wir freuen uns drauf, euch die bunteste Collage seit Andy Warhol ab dem 11. Juli im Vortex zu zeigen. Karten kriegt ihr ab Montag im Mensafoyer und Online, außerdem in der Bücherkiste und im Schellack. Lasst es euch nicht entgehen und werdet Teil des Rudels!


03.07.2017 by Pierre Stoltenfeldt

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