Can I ask you a question?
Yes, you can! Und zwar 7 Stunden lang…

Im Rahmen des diesjährigen Siegener Kunsttages lieferten wir endlich Antworten auf Fragen, die ihr euch noch nie gestellt habt, oder etwa doch?

© Fotos: Bernd Dreseler

Was genau uns erwartet, wussten wir drei Darstellerinnen anfangs selbst nicht so recht. Die Regeln sind einfach: Es befinden sich immer zwei Darstellerinnen auf der Bühne, die eine stellt Fragen und die andere muss antworten. Wird die Frage „Bist du bereit aufzuhören?“ mit „Ja“ beantwortet, wird getauscht und die Fragestellerin wird zur Antwortenden. Ein „Nein“ bedeutet, dass es wie gehabt weiter geht. Nach fast zweieinhalb Stunden wird eine der Darstellerinnen abgelöst, die andere muss weiter machen. Die Doppelschicht wird zur Doppelbelastung und kann dementsprechend auch schon mal aufs Gemüt schlagen, wenn zu den tausenden Fragen auch noch Hunger, Blasendruck und – bei der ein oder anderen – Nikotinentzug hinzukommen.

© Fotos: Bernd Dreseler

Kurz bevor es los geht, denke ich noch: „Worauf hab ich mich hier nur eingelassen und vor allem warum?“ Mir fällt es anfangs deutlich leichter Fragen zu beantworten, als selbst welche zu stellen. Dabei hätte ich vorher wetten können, dass es genau andersherum sein würde, da die Fragestellerin ja in einer Machtposition ist und immer tiefer bohren könnte. Ich denke es liegt daran, dass ich die persönlichen Grenzen der anderen nicht zu sehr überstrapazieren möchte, indem ich zu intime oder emotionale Fragen stelle.
Die ZuschauerInnen konnten jeder Zeit kommen und gehen und waren herzlich dazu eingeladen, mit den Darstellerinnen zu lachen, die bei Fragen wie „Was ist der Unterschied zwischen einem Hund und einem Diamanten?“ und „Warum bist du, du und ich, ich?“ ihre Kreativität unter Beweis stellen mussten. Zudem kam kein Besucher umhin, sich selbst Gedanken über die Fragen zu machen. Ein Richtig oder Falsch gibt es genauso wenig wie Lüge oder Wahrheit. Uns Darstellerinnen war es selbst überlassen, wie viel jede von sich preisgeben und wo sie lieber etwas erfinden wollten, denn bei gewissen Fragen musste man ganz schön grübeln: „Würdest du ein behindertes Kind adoptieren?“ oder „Hat der Mensch eine Seele?“. Das sind ja nun wirklich keine Fragen, die man so einfach beantworten kann. Dann musste man schon Mal ganz schön schlucken, wenn eine Darstellerin dann persönliche Erfahrungen und Erlebnisse auf der Bühne mit allen geteilt hat.

Elisabeth Höfer, Melanie Wagner und Charline Kindervater © Fotos: Bernd Dreseler

Im Laufe des Spiels fällt es mir immer leichter die Fragen zu beantworten. Auch die anderen werden lockerer. Die Clownsmaske hilft dabei sich nicht zu sehr entblößt zu fühlen, wenn man da oben sitzt und teils sehr persönliche Fragen beantworten muss. Gegen Ende fand ich auch Gefallen daran Fragen zu stellen. Ich versuchte mein Gegenüber aus der Reserve zu locken und zu verunsichern.

Zu fortgeschrittener Stunde ist jede Frag ganz schön zermürbend. Da geht Blutzuckerspiegel schon mal in den Keller und die Laune gleich mit. Dies erhöhte aber auch das Mitgefühl des Publikums und eine der Darstellerinnen bekam gegen Ende ihrer zweiten Schicht von einem besonders netten Zuschauer sogar ein Eis spendiert. Das zauberte schlagartig wieder ein Lächeln in ihr Gesicht.

© Fotos: Bernd Dreseler

Nach dem Ende fühle ich mich nicht unbedingt schlauer, aber um eine tolle, spannende, aber auch anstrengende Erfahrung reicher. Ich muss echt aufpassen, dass ich aus dem Fragen überhaupt wieder rauskomme.


22.05.2017 by Charline Kindervater

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