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Großes Spiel auf kleiner Bühne

Unser Stück DNA von Dennis Kelly findet in Siegen großen Anklang! Wir fühlen und geehrt und freuen uns, dass es euch gefällt!

Elena Lauer hat für Radius 92,1 Jan Mohr und Valerie Linke zu unserer Inszenierung interviewt:

Außerdem war die Siegener Zeitung bei der ausverkauften Premiere am 11.07. vor Ort und veröffentlichte einen Bericht:

Für alle die neugierig geworden sind, sind für die kommenden Termine am 14.07. | 16.07, | 17.07. und 18.07.  weiterhin Karten im Mensafoyer der Uni Siegen oder an der Abendkasse im Vortex erhätlich.


14.07.2017 by Friederike Stecher

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Auf Wiedersehen, mein treuer Freund, und nicht Lebewohl

„ Wenn ich fertig bin, müsst ihr mir bitte sagen, dass ich schön aussehe. Auch wenn ihr lügt. Sagt es einfach, ok?“

Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen: „Die gute Nachricht ist, wir hätten dich gerne dabei. Die schlechte Nachricht: der Bart muss ab.“ Als ob man einen Vertrag mit dem Teufel schließt. Amüsiert sagte ich dieser Verlockung zu und freute mich auf den Probenbeginn zu „dna“. Gemeinsam mit den weiteren bärtigen Darstellern vergnügten wir uns alle prächtig bei den Proben und die Kreativität fing nur so an zu sprudeln, doch verdrängten wir bloß, welch schrecklicher Dämon um die Ecke auf uns lauerte. Eine Reise in die Vergangenheit – man blickt seinem Sechzehnjährigen Ich auf einmal in die Augen, ein Blick in den Spiegel und man muss voller Schmerz mit ansehen wie man vom Mann zum Baby wird.

Als die Aufführungen noch in weiter Ferne lagen, haben wir Witze gemacht. Ich wollte mich nicht rasieren. Striktes Verneinen wurde an den Tag gebracht. Die Damen im Ensemble und das Regieteam konnten es gar nicht abwarten, bis wir unsere Gesichter entblößen würden und voller Schadenfreude rieben sie sich ihre teuflischen Hände, bildeten einen Kreis und schlossen Wetten ab, wer am schlimmsten aussehen würde. Wir Jungs nickten nur lachend und haben nicht weiter darüber nachgedacht. Wir hatten sogar den Plan, uns alle gemeinsam zu rasieren. Also jetzt nicht alle Männer gemeinsam im Bad und sich gegenseitig den Rücken rasieren oder so… Es sollte ein gemütlicher Abend sein und das ganze Team sollte zusammen sitzen und nach und nach verschwindet ein Darsteller im Bad und trennt sich von seinem besten Freund. Einfach den Schmerz gemeinsam durchleben, das war der Plan.Die Aufführungen rückten immer näher und man merkte, wie die Spannung immer weiter stieg. Nicht, weil man bald vor fast hundert Leuten auf der Bühne stehen würde, sondern weil ES bald geschehen musste. ES musste vollbracht werden.

„Wir müssen uns langsam mal treffen und anfangen mit dem Rasieren“,
„Die Haut muss sich dran gewöhnen. Nächste Woche ist Premiere und ich will nicht, dass mein Gesicht total rot aussieht“,
„Ich hab keine Ahnung, was mich unter dem Bart erwartet. Ich habe mein Kinn seit sechs Jahren nicht mehr gesehen“.

Im ersten Moment hörten wir uns an wie sehr eitle und arrogante Kerle, aber wir hatten einfach Angst. Da, ich sprech‘ es aus: Angst. ANGST, Leute. Angst davor, was uns erwarten und wie wir aussehen würden. ICH hatte Angst vor der Rasierklinge und ich schäme mich nicht. Doch, ich schämte mich schon ABER ich schämte mich nicht meiner Scham, wenigstens das müsst ihr mir lassen, dankeschön. Würden wir uns selber noch mögen, wenn der Bart weg war würden unsere Freunde und vor allem die Frauen uns noch mögen, wenn wir einen Teil unserer Männlichkeit verlieren?! Die Lage spitzte sich zu und uns wurde klar, dass es kein Zurück mehr gibt. Am Sonntag, den zweiten Juli, wollten wir uns treffen. Vielleicht noch ein wenig Text zusammen lernen, etwas essen und so viel trinken, bis wir nicht mehr im Stande sind uns zu rasieren oder um es einfach zu vergessen. Der Sonntag rückte näher und kaum jemand äußerte sich noch dazu. Genauso gut kann man einen Stein in einen leeren Schacht werfen, man kann keine Antwort erwarten sondern nur einen dumpfen Aufprall. Dieser Aufprall kam in der Form, dass ich alleine an unserem besagten Treffpunkt aufkreuzte und kein weiterer der bärtigen Darsteller an dem Tag „konnte“. Also musste nur mein Bart rollen, die anderen haben gekniffen. In meinen Armen hielt ich Rasierzeug. Diese Nassrasierer fürs Gesicht und Rasierschaum. Als ob es brennende Ratten wären, hielt ich diese Utensilien in meinen Händen und wurde hinein gebeten, hinein in einen der schlimmsten Abende seit langem. Es wurde etwas gegessen und es fühlte sich an wie eine Henkersmahlzeit, doch Alkohol floss überhaupt nicht. Ich merkte, wie mit der Zeit die Klingen immer schärfer und durstiger und die Spannung und Schadenfreude immer größer wurden. „Also gut. Wollen wir?“ fragte ich und stand von meinem Stuhl auf mit einer Zigarette im Mund, um die Nerven zu beruhigen. Und so begann er, der lang andauernde Weg ins Badezimmer.

Die schadenfrohe Teufelin hielt ihr Handy bereit, um alles zu dokumentieren. Was jetzt folgt ist zu grausam um es ausführlich zu beschreiben und wirkt für den einen oder anderen Leser zu verstörend. Ja, ich richte mich an meine männlichen Leser und Bartfreunde an dieser Stelle. Ihr versteht, wie es ist, einen Bart zu haben, und welch Stolz damit verbunden ist. Ich möchte euch das Grauen ersparen, wie es ist, sich im Spiegel zu betrachten, mit dem Rasierer in der Hand und auszuholen um sich endgültig in einen Jugendlichen zu verwandeln.

„Du siehst so…so…sooo Milchbubi aus“
„ Aber du lässt dir den Bart wieder wachsen, oder?“
„Du hast bald deine Abiturprüfung, richtig?“
„DARFST du überhaupt schon Auto fahren?“

Das sind nur ein paar Kommentare, dich ich zu hören kriege als Reaktion auf mein glattes und unbehaartes Gesicht. Alles für die Kunst und Leidenschaft.
Lasst dieses große Opfer nicht umsonst sein und seht euch „dna“ an, das am 11. Juli im Vortex startet. Und wenn es euch gefallen hat und ihr mir eine Freude machen wollt, sagt mir bitte, dass ich immer noch schön aussehe. Auch wenn ihr lügt. Sagt es einfach, ok?

Ich verabschiede mich an dieser Stelle von einen meiner treusten Freunde und Wegbegleiter. Aber ich sage nur auf Wiedersehen, mein treuer Freund. Bis nächstes Mal und nicht Lebewohl. Aber bis dahin bin ich in einer schlimmen Lage.


04.07.2017 by Andrés Garcia Diaz

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Das Rudel rumreißen

Das Rudel beim Proben

Gruppen sind schon eine faszinierende Angelegenheit, nicht wahr?
In der Unibib platzen die Bücherregale vor lauter psychologischen, soziologischen, pädagogischen, esoterischen, linguistischen, religiösen, historischen und wahrscheinlich auch thermodynamischen Weisheiten, die irgendwelche Doktoren und Pseudodoktoren zur Zusammenbringung und Organisation von Gruppen, zu ihrer Sprache und Dynamik mal mit guten, mal mit monetären Absichten den Buchmarkt gespeist haben.
Haben wir immer so ein bisschen belächelt, zugegeben, aber jetzt, am Höhepunkt unserer Arbeit an „DNA“, erhielten wir zumindest eine grobe Ahnung davon, warum so viele Leute sich so viele Gedanken zu den menschlichen Rudeln machen. Wir könnten inzwischen auch ein paartausend Seiten füllen.

Rudeldehnung

Kaum zu glauben, dass dieser wilde Haufen sich erst seit 3 Monaten kennt, wenn man die so zusammen sieht. Die Voraussetzungen haben es jedenfalls nicht erahnen lassen. Unterschiedlicher könnten sie nämlich kaum sein, unsere elf Akteure: Da wären die Nerds, die mit leuchtenden Augen und Motivunterwäsche überm Hintern der übernächsten „Batman VS Barbie und Ken“-Verfilmung entgegenfiebern, dazwischen der klassische tollMut-Hipster™ in gelben Shorts und Hosenträgern, die gleich als Hintergrund für das nächste Selfie in der Instagram-Story unserer Social Media Enthusiastin herhalten müssen, während irgendwo anders jemand nervös auf die Uhr guckt, damit er vor lauter Selfies nicht sein Boxtraining verpasst oder die Gelegenheit, noch bei Tageslicht an seinem Auto zu schrauben. Ein anderer bestellt seine Pizza sogar mit Sardellen (bah!), aber DAS ist nochmal ein GANZ anderes Thema. Kurz und gut: Im Alltag hätten diese Leute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zusammen gefunden und wenn man gemeinsam vorm Probenraum steht, kommt es schonmal vor, dass Vorbeifahrende vor lauter Starren fast eine Straßenlampe mitnehmen. Trotzdem klappt es irgendwie mit dem Miteinander, ist irgendwie so etwas wie Familie oder zumindest wie bucklige Verwandtschaft entstanden, halten alle doch denselben Strang in den Händen und ziehen gemeinsam. Man hat gelernt, wer einen Peniswitz auch beim zehnten Mal noch witzig findet (ich, z.B.) und neben wem man ihn sich lieber verkneift, wenn man nicht von einer Wasserflasche abgeworfen werden will. Man hat gelernt, wen man nach einer emotionalen Probe in den Arm nimmt und wer Zeit für sich braucht. Und wenn man die ganze Meute in einen dunklen Raum sperren würde, könnten sie inzwischen wahrscheinlich ohne Worte bereits am Schweißgeruch erkennen, wer gerade neben ihnen steht. Das ist Intimität, Freunde, so hat das gefälligst auszusehen!
Bei allen PartnerInnen, besten Freunden und Müttern entschuldigen wir uns an dieser Stelle und versichern: Ihr habt sie in zwei Wochen wieder, eure Lieben, und irgendwann hören die auch wieder auf, sich nur noch über Zitate aus dem Stück und alberne Insider (auch inbrünstig gesungen: „Das ist eine schlimme Lage“ – bereits jetzt ein Evergreen) zu verständigen. Wirklich. Für uns Regisseure waren und sind die Unterschiede der Schauspieler immer ein großer Gewinn, aber auch eine große Herausforderung gewesen: Schön, wenn man mit unterschiedlichen Typen, Hintergründen und Erfahrungen zu tun hat, schade, wenn man zur Probe geht, und die Familienpackung Ritalin zu Hause vergessen hat. Zum Glück besteht das Regieteam aus einem Pädagogen und einer dreifachen Mutter, da kann nichts mehr richtig schrecken. Ein Hühnerhaufen, sage ich euch: Kaum hat man das gackernde Federvieh auf der einen Seite des Raumes zur Raison gebracht, flattert und kräht es auf der anderen Seite los: „Aber du hast doch gesagt….“, „Proben wir schon oder kann ich nochmal aufs Klo?“, „Hat jemand meine Hose gesehen?“ Keine Angst, alles nicht so dramatisch: Spaß macht es auf jeden Fall immer, Energie haben sie, die Süßen, und genau das ist, was sie für „DNA“ brauchen – den Kururlaub auf Malotze können wir dann hinterher immer noch antreten.

Das Rudel macht sich zum Affen

Jetzt heißt es nochmal in die Hände spucken, Pillen droppen und dann auf zu den Hauptproben! Wir freuen uns drauf, euch die bunteste Collage seit Andy Warhol ab dem 11. Juli im Vortex zu zeigen. Karten kriegt ihr ab Montag im Mensafoyer und Online, außerdem in der Bücherkiste und im Schellack. Lasst es euch nicht entgehen und werdet Teil des Rudels!


03.07.2017 by Pierre Stoltenfeldt

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Wer solche Freunde hat #1

Lieber Himmel, jetzt hätten wir ja fast den guten Blog vor lauter Proberei vergessen! So geht’s nicht, liebe Freunde, da zürnt ihr zurecht, wenn wir unsere zigtausend Abonnenten ganz ungeduldig mit den Füßen scharren lassen!
Also, wie sieht’s aus, irgendjemand Lust auf eine Vorstellungsrunde? Jedermann liebt Vorstellungsrunden, ist doch so! Gibt ja schließlich ein neues Ensemble zu beschnuppern, bevor es dann in wenigen Wochen auf die Bühne geht! Na, nicht doch, liebe Leser, wer wird denn da gleich die Flucht ergreifen, nur keine Sorge! Ihr müsst jetzt nicht gleich eurer kleinen Schwester die Strickliesl aus der Hand reißen, damit wir hier ein Wollknäul hin- und herwerfen können und pfiffige Alliterationen zu unseren Vornamen („der listige Ludwig“, „die kecke Kunigunde“) ersinnen können. Den Job übernehmen wir und stellen euch das Ensemble der Reihe nach vor, ganz ohne Gegenleistung. Und den Anfang macht, weil A im Alphabet ganz vorne steht, der affentittengeile Ajas!

Ganz ehrlich, wenn’s mit der Regie- oder Bloggerkarriere nix wird, werde ich Casting-Chef beim Fernsehen. Den Ajas habe ich nämlich entdeckt, ich allein, kein Witz! Entdeckt an einem Ort, an dem es eigentlich gar nichts zu entdecken gibt außer einer ziemlich absurden Menge Taubenkacke: In Au an der Sieg! Am Bahnhof! Weil der RE 9 mal wieder nicht bis nach Köln weiterfahren wollte, kaputtes Getriebe oder keine Lust mehr, was weiß denn ich, stand ich mir dort mehrere Tage lang (gut, es waren vielleicht anderthalb Stunden) die Beine in den Bauch. Als herabregnendes Taubenexkrement mich einmal mehr zum Ausweichen zwang, fiel mein findiger Blick auf den twerkenden Jüngling mit der Frisur des Messias und der Stimmgewalt Mariah Careys am selben Gleis und ich witterte: Den, Stoltenfeldt, bringst du ganz groß raus! Okay, zugegeben, eigentlich sprach der Knabe mich an, weil ich einen tollMut-Rucksack getragen habe und mit vor Hysterie heiserer Stimme Werbung für unsere Workshops in die wartende Menge krakehlte (für den er übrigens längst angemeldet war), aber meine Version verkauft sich eben besser, wenn ich dann beim Gottschalk auf der Couch sitze! Ist ja auch egal, geht hier ja um den Ajas, und der entpuppte sich als echter Glücksgriff: Spricht mindestens 52 Sprachen fließend und rückwärts, digitiert mit seinen selbstgeschriebenen Gitarrensongs in 0,03 Sekunden zum One-Man-Lagerfeuergelage (ohja, die Damen, oh-ja!) und würde selbst dem Weasley beim Zaubererschach mit links den Hintern versohlen. Kein Wunder, dass sein Nachname übersetzt „Jesusmann“ heißt, nicht nur wegen der Frise. Kann man echt gebrauchen, dieses Tausendsassa, und darum machen wir uns auch überhaupt nichts vor: Die Talente des Kerls aufzuzählen, das ist ja eine Sisyphusarbeit, da wird der Blogeintrag ja nie fertig, wir entdecken nämlich selbst stündlich zwei neue an ihm! Können wir uns echt glücklich schätzen, den Boy gecasht zu haben, und ihr könnt euch glücklich schätzen, ihn nächsten Monat in „dna“ nicht Schach, sondern schauspielen zu sehen. Vielleicht twerkt er dann auch, mal gucken.

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06.06.2017 by Pierre Stoltenfeldt

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Can I ask you a question?
Yes, you can! Und zwar 7 Stunden lang…

Im Rahmen des diesjährigen Siegener Kunsttages lieferten wir endlich Antworten auf Fragen, die ihr euch noch nie gestellt habt, oder etwa doch?

© Fotos: Bernd Dreseler

Was genau uns erwartet, wussten wir drei Darstellerinnen anfangs selbst nicht so recht. Die Regeln sind einfach: Es befinden sich immer zwei Darstellerinnen auf der Bühne, die eine stellt Fragen und die andere muss antworten. Wird die Frage „Bist du bereit aufzuhören?“ mit „Ja“ beantwortet, wird getauscht und die Fragestellerin wird zur Antwortenden. Ein „Nein“ bedeutet, dass es wie gehabt weiter geht. Nach fast zweieinhalb Stunden wird eine der Darstellerinnen abgelöst, die andere muss weiter machen. Die Doppelschicht wird zur Doppelbelastung und kann dementsprechend auch schon mal aufs Gemüt schlagen, wenn zu den tausenden Fragen auch noch Hunger, Blasendruck und – bei der ein oder anderen – Nikotinentzug hinzukommen.

© Fotos: Bernd Dreseler

Kurz bevor es los geht, denke ich noch: „Worauf hab ich mich hier nur eingelassen und vor allem warum?“ Mir fällt es anfangs deutlich leichter Fragen zu beantworten, als selbst welche zu stellen. Dabei hätte ich vorher wetten können, dass es genau andersherum sein würde, da die Fragestellerin ja in einer Machtposition ist und immer tiefer bohren könnte. Ich denke es liegt daran, dass ich die persönlichen Grenzen der anderen nicht zu sehr überstrapazieren möchte, indem ich zu intime oder emotionale Fragen stelle.
Die ZuschauerInnen konnten jeder Zeit kommen und gehen und waren herzlich dazu eingeladen, mit den Darstellerinnen zu lachen, die bei Fragen wie „Was ist der Unterschied zwischen einem Hund und einem Diamanten?“ und „Warum bist du, du und ich, ich?“ ihre Kreativität unter Beweis stellen mussten. Zudem kam kein Besucher umhin, sich selbst Gedanken über die Fragen zu machen. Ein Richtig oder Falsch gibt es genauso wenig wie Lüge oder Wahrheit. Uns Darstellerinnen war es selbst überlassen, wie viel jede von sich preisgeben und wo sie lieber etwas erfinden wollten, denn bei gewissen Fragen musste man ganz schön grübeln: „Würdest du ein behindertes Kind adoptieren?“ oder „Hat der Mensch eine Seele?“. Das sind ja nun wirklich keine Fragen, die man so einfach beantworten kann. Dann musste man schon Mal ganz schön schlucken, wenn eine Darstellerin dann persönliche Erfahrungen und Erlebnisse auf der Bühne mit allen geteilt hat.

Elisabeth Höfer, Melanie Wagner und Charline Kindervater © Fotos: Bernd Dreseler

Im Laufe des Spiels fällt es mir immer leichter die Fragen zu beantworten. Auch die anderen werden lockerer. Die Clownsmaske hilft dabei sich nicht zu sehr entblößt zu fühlen, wenn man da oben sitzt und teils sehr persönliche Fragen beantworten muss. Gegen Ende fand ich auch Gefallen daran Fragen zu stellen. Ich versuchte mein Gegenüber aus der Reserve zu locken und zu verunsichern.

Zu fortgeschrittener Stunde ist jede Frag ganz schön zermürbend. Da geht Blutzuckerspiegel schon mal in den Keller und die Laune gleich mit. Dies erhöhte aber auch das Mitgefühl des Publikums und eine der Darstellerinnen bekam gegen Ende ihrer zweiten Schicht von einem besonders netten Zuschauer sogar ein Eis spendiert. Das zauberte schlagartig wieder ein Lächeln in ihr Gesicht.

© Fotos: Bernd Dreseler

Nach dem Ende fühle ich mich nicht unbedingt schlauer, aber um eine tolle, spannende, aber auch anstrengende Erfahrung reicher. Ich muss echt aufpassen, dass ich aus dem Fragen überhaupt wieder rauskomme.


22.05.2017 by Charline Kindervater

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