Bauch rein, Brust raus!

Im Dienste des Qualitätsjournalismus fassen wir heute im Blog mal ein ganz heißes Eisen an: Das Casting.

„Casting“ ist ja so ein Wort, bei dessen finsterem Klang selbst der betagtesten Rampensau der kalte Schweiß die Wirbel herunter in den Tanga rollt, deshalb rufen wir hier heute mal „Tschacka!“ in die Runde und räumen Panik, Angst und Durchfall aus dem Weg. Erklärtes Ziel dieses Beitrags: All diejenigen zu cashen, die gerne spielen wollen, aber beim Gedanken, dafür zum Vorsprechen zu müssen, erstmal nach „Windeln für Erwachsene“ googlen und es sich dann doch anders überlegen.

Vorneweg: Mit Castings wie denen, die ihr aus dem Fernsehen kennt, haben unsere nichts gemeinsam. Wir wählen extra einen Termin aus, an dem Heidi und Dieter Putzdienst in der Niederhölle haben und garantieren somit positive Vibes. Erniedrigt wird also wirklich niemand und wir freuen uns auch nicht, wenn jemand scheitert, sich vor Angst ins Höschen strullert oder ohnmächtig wird. Wird ja nicht gefilmt, die Quote kann uns also egal sein.
Ihr müsst bei uns auch nicht im Bikini über einen Laufsteg aus Packeis balancieren, stattdessen erwartet euch das folgende Szenario: Anfangs ein paar warme Worte zur geplanten Inszenierung, dann Warm-Ups zur Auflockerung, schließlich Einzelvorsprechen – jeder trägt sein Gedicht (mindestens 8 Zeilen, keine Balladen, nicht der Panther von Rilke) vor. Danach reißt es Dave in der Regel vom Stuhl, er springt auf die Bühne und gibt Anweisungen, wie der Vortrag des Gedichts verändert werden sollte. Denkbar ist hier alles von „Sprich es, als würdest du deinem Ehemann sagen, dass du ihn betrogen hast“ bis „Mach dabei einen Handstand, klatsch mit den Füßen den Takt und stell dir vor, dein rechter Nippel sei in deinen linken verliebt“. Das war’s auch schon. Klingt nach Spaß? Macht’s auch!

Für alle, die jetzt immer noch nicht überzeugt sind, haben wir hier mal ein paar Survival-Tipps erfahrener Casting-Veteranen zusammengestellt:

1. No guts, no glory

Hauptrollen-Abonnenten Sarah Schlüter-Stamm, Valerie Linke, Elisabeth Höfer und Juli Shirley sind sich einig: Der Nervosität zeigt man am besten den Mittelfinger, indem man nicht lange wartet, bevor man vorspricht. Je länger man anderen beim Vorsprechen zusieht, desto mehr Zeit hat das angenehm nervöse Kribbeln hinter dem Bauchnabel Zeit, sich in ein ausgewachsenes Magengeschwür zu verwandeln. Darum: Gerade, wenn ihr noch unerfahren seid, bringt es schnell hinter euch und geht als erste auf die Bühne. Danach macht Zugucken auch viel mehr Spaß!

2. Kennt das Gedicht, aber kennt es nicht zu gut

Beim Thema Gedicht scheiden sich die Geister – Melanie Wagner auf der einen Seite setzt auf Sicherheit und rät, das Gedicht wirklich gut auswendig gelernt zu haben. Tim Lechthaler stimmt zu, ergänzt aber, dass „auswendig“ nicht heißt, dass man mit einer fertigen Inszenierung aufwarten muss. Es genüge völlig, die Worte zu kennen, denn wenn man schon mit einer eingefahrenen Vorstellung des Vortrags erscheine, falle es später unnötig schwer, sich auf Daves Anweisungen einzulassen (Tim musste beim Casting mal während seines Vortrags fünf Stühle balancieren, darauf hätte er sich auch schlecht zu Hause vorbereiten können, so viele Stühle besitzt der Knabe gar nicht).
Für Moritz Steinacker haben sich Improvisationstalent und Spontaneität auf der anderen Seite immer viel mehr ausgezahlt als Textsicherheit und der muss es wissen: Zwar ist der Hase mehrmals besetzt worden, mit dem, was die Dichter irgendwann mal geschrieben hatten, hatte das, was er beim Casting vorgetragen hat, aber nie wirklich viel gemeinsam.

3. Lasst euch fallen!

Anna Gustmann und Ajas Isajev empfehlen, gar nicht erst über mögliches „Scheitern“ nachzudenken und den Verstand ohnehin am besten zu Hause zu lassen. Stattdessen sollte man mit dem Herzen dabei sein und sich mutig, neugierig und mit Freude auf alle neuen Herausforderungen einlassen – was kann schon im schlimmsten Fall passieren?

4. Raus aus dem Schneckenhaus!

Pepa Ulrich war letztes Jahr zum ersten Mal beim Casting (und hat sich direkt die Hauptrolle unter den Nagel gerissen). Sie empfiehlt, die Gelegenheit zu nutzen, neue Kontakte und Freundschaften zu schließen. Selbst wenn es mit der Rolle nicht klappt, hat man auf diese Weise trotzdem gewonnen!

5. Keine Angst vor dem alten Eisen

Außerdem rät Pepa, sich nicht von den tuschelnden Gestalten verunsichern zu lassen, die in den hinteren Reihen sitzen, die Köpfe zusammenstecken, sich alle untereinander kennen und scheinbar zu allem eine Meinung haben – das sind bloß die tollMut-Veteranen, die ihrer Nervosität Luft machen, indem sie das tun, was sie am besten können: Reden. Sehen furchteinflößend aus, die Biester, sind aber eigentlich ganz zahm und haben selbst die Hosen bis zum Bündchen voll. Auch Elisabeth Höfer weiß, dass man vor den erfahrenen Spielern keine Angst haben muss: Selbst wenn beim Vorsprechen der garstige Schulterteufel nicht müde werden will, einem „Die sind alle besser als du“ ins Ohr zu tuscheln, heißt das noch lange nicht, dass die alten Zirkuspferde einem die Rolle wegschnappen werden– am Ende geht es schließlich darum, wer am besten ins Stück und ins Ensemble passt.

6. Mach’s dir bequem

Julie Tiepermann schwört auf ihren Talisman und empfiehlt Castingteilnehmern, sich ihren Lieblingspulli oder irgendein anderes liebgewonnenes Kleidungsstück überzuwerfen – macht das mal besser, Julies Glücksbringer hat ihr schließlich eine Rolle in „Haus Herzenstod“ verschafft!

 


28.03.2018 by Pierre Stoltenfeldtпродвижение сайта отзывы

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